In vier Monaten mehr als 35.000 Stück Langspielplatten in Österreich verkauft
Goldene für Arik Brauer
Erfolg mit Sozialkritik
Von Herber O. Glattauer
Arik Brauer, umweltgestaltender Maler des Phantastischen Realismus, Bühnenbildner, Komponist, Textdichter und Sänger, erhält für das als KURIER-Platte erschienene Album von Dialektliedern eine Goldene Schallplatte verliehen. Bisher allein in Österreich verkaufte Stückzahl: 36.000 in vier Monaten.
Im Vergleich dazu verkaufen Österreichs Spitzenhumoristen, die drei Spitzbuben, von ihren LPs im gleichen Zeitraum nicht einmal die Hälfte, in einem ganzen Jahr etwa 20.000Stück. Und die Beatles kamen mit ihren besten Platten nur etwas über 10.000.
Kreisky mag sie
Der große Erfolg Brauers lockte sogar Bundeskanzler Dr. Kreisky, mit Kommentaren zu nichtpolitischen Ereignissen eher zurückhaltend, aus der Reserve: „Primär kann ich sagen, dass ich diese Songs sehr gern habe und einige davon besonders eindrucksvoll finde – vor allem wegen ihrer sozialkritischen Einstellung. Brauer gehört für mich zu jenen die eine Tradition wieder beleben, die bei uns in den zwanziger Jahren mit Namen wie etwa Hasenclever, Mehring, Armin Berg und Arno Holz eng verbunden war.“
Und: „Was mich außerdem beeindruckt, ist, dass man mit dieser Platte von der sentimentalen Verherrlichung des kritiklosen Folkssongs wegkommt.“
Und so versuchten objektive Fachleute das Phänomen des Brauer-Erfolges zu deuten:
Ernst Grissemann, Unterhaltungschef im Hörfunk: „Der Dialekt ist sicher ein Faktor, aber nicht der wichtigste. Viel mehr ist es das glückliche Zusammenwirken aller Faktoren, erstens die leicht fasslichen, keineswegs hochgestochenen Melodien, zweitens die kritische Aussage, dem „Volke vom Maul genommen“, und schließlich die Persönlichkeit Brauers, die dem Image nach nicht einem hochnäsigen Interpreten, sondern eher einem Volkssänger nahe kommt.
Auch gute Texte
Der junge Ö3-Wecker Rudi Klausnitzer: „Ich finde die Texte zwar nicht so tiefgehend, wie man allgemein behauptet, aber es werden doch mit einfachen Worten Probleme angeschnitten – zum Teil provozierend, und Salonprovokation ist immer gut -, die zumindest überlegenswert sind. Immerhin ist die Platte ein Gegenbeweis zur Industrie, die immer behauptet hat, nur schlechte Texte seine ein Geschäft.“
Und ORF-General Gerd Bacher: „Das Arik Brauer jede Goldene Schallplatte verdient, steht für mich außer Frage. Was mich wirklich wundert, ist der gute Geschmack, der hier offensichtlich, nicht nur auf eine Minipublikum beschränkt blieb.“
Ein Manifest
Ganz auf seiner Linie liegend, wobei er vor allem das Lied „Sie hab’n a Haus ‚baut“ meint, findet Friedensreich Hundertwasser die Platte: „Die Brauer-Lieder sprechen mir aus der Seele. Es ist das erste Mal, dass Lieder gegen trostlose Architektur geschrieben und gesunden werden, die ins Herz gehen. Ein gesungenes Manifest.“
Sogar ein Udo Jürgens gibt zu: „Ich glaube, dass Arik Brauer dem Showbusiness viele Impulse gegeben hat, die einfach abfärben müssen.“
Und Fritz Muliar meint trocken: „So, genauso, stelle ich mir das Wienerlied 1972 vor.“
Erich Turan, Prokurist der „Polydor“, die die Brauer-LP produziert hat: „Das Faszinierende ist, dass die Wiener Dialektwelle die sonst nicht weiter als bis etwa St. Pölten geht, hier auch in den Bundesländern erfolgreich ist. Genau analysieren lässt sich der Erfolg nicht, Text und Musik passen einfach zusammen.“
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